Gewehr 43
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Allgemeines: Als man sich in dem in den zwanziger Jahren geführtem Meinungsstreit um die Entwicklung eines Selbstladegewehres oder die Weiterentwicklung des Mauser-Mehrladegewehres 98, für den Mehrlader entschied, hatte man das taktische sowie technische Niveau auf einen Stand gebracht, der schon lange vor dem ersten Weltkrieg erreicht worden war. Länder wie die USA oder die Sowjetunion hatten zu beginn des zweiten Weltkrieges zumindest brauchbare, wenn auch nicht perfekte Selbstlader eingeführt. Im Jahre 1936 hatte man in den USA das Selbstladegewehr M1 Garand übernommen, die Sowjets besaßen zum einen den Tokarew-Selbstlader SWT 1939 und SWT 1940, sowie das Simonow-Schnellfeuergewehr AWS 1936, das wie der Name schon andeutet ein vollautomatischer Selbstlader war. Das man nun die Meinung über die Selbstladegewehre in Deutschland änderte hatte nicht zuletzt damit zu tun, den Vorsprung anderer Länder auf diesem Gebiet wieder aufholen zu wollen. Allerdings waren kritische Stimmen noch lange nicht verstummt. Viele wollten einfach nicht so recht an die Vorzüge eines solche Gewehres glauben. Nicht selten begründete man die Ablehnung für eine solche Waffe mit Argumenten wie mangelnder Feuerdisziplin der Schützen im Gefecht oder der Munitionsverschwendung. Die Idee eines Selbstladegewehres war aber in Deutschland keineswegs neu. Am Ende des vorigen Jahrhunderts hatte sich Paul Mauser bereits mit dem Problem Selbstladegewehre beschäftigt. Er soll dann 1898, so wird zumindest vermutet, vom Kaiser persönlich den Auftrag zur Entwicklung eines solchen Selbstladers bekommen haben. Es wurden dann mehrere Modelle vorgestellt, alle mehr oder weniger ohne Erfolg. Am Anfang waren dieses alles Rückstoßlader mit beweglichem Lauf, später konzentrierte Mauser sich dann auf Modelle mit feststehendem Lauf, eine Weiterentwicklung eines solchen Modells wurde dann später im ersten Weltkrieg als Mauser-Selbstladekarabiner verwendet. Nach dem ersten Weltkrieg zeigte man beim Militär kaum Interesse für ein Selbstladegewehr, lediglich einige Firmen experimentierten mit eigenen Konstruktionen, dieses aber mehr aus Interesse an eventuellem Export der Waffen. In den folgenden Jahrzehnten wurden verschiedene Versuchswaffen vorgestellt, die aber allesamt abgelehnt wurden. Einzig eine Konstruktion der Firma Walther aus dem Jahre 1935, genannt A115, wurde interessiert betrachtet, schlussendlich aber doch abgelehnt. Im Jahre 1940, als die Vorbereitungen für den Angriff auf die Sowjetunion liefen, wurden dann Entwicklungsaufträge für ein Selbstladegewehr an die Mauser-Werke und an Walther vergeben. Zu diesem Zeitpunkt legte man den Konstrukteuren allerdings Bedingungen bezüglich der Funktionsweise der Waffen auf, die dafür sorgten das eine daraus resultierende Konstruktion sich kaum bewähren konnte. Es wurden Gasbohrungen am Lauf untersagt, die Waffe musste eine Mehrladeeinrichtung besitzen damit das Gewehr auch manuelle repetiert werden konnte und es wurde eine in sich geschlossene Ladeautomatik bei unbeweglichem Verschlussdeckel gefordert. Ende des Jahres 1942 wurde dann die Konstruktion der Firma Walther, das Selbstladegewehr Modell G41 W (Walther), in die strukturmäßige Bewaffnung der Wehrmacht übernommen. Diese Konstruktion wurde dann in den nächsten Monaten weiterentwickelt und führte zum Selbstladegewehr Modell G43 (K43), das dann im Jahre 1943 das ältere Modell ablöste oder ergänzte. Zu Beginn wurde das Gewehr noch G43 genannt, später erhielt es die Bezeichnung K43 (K=Karabiner), obwohl es eigentlich kein Karabiner war. Das G43 (K43) sollte in großer Stückzahl mit Zielfernrohren ausgerüstet, sowie für Dauerfeuer eingerichtet werden. Die Produktion der Gewehre mit Zielfernrohr konnte nur begrenzt realisiert werden, die Einrichtung für Dauerfeuer überhaupt nicht. An der Serienfertigung des Modells G43 (K43) war außer der Entwicklerfirma Walther, noch die Berlin-Lübecker Maschinenfabrik beteiligt. Bis zum Ende des Jahres 1943 wurden etwa 3209 Waffen gefertigt. Zum Ende des Krieges 1945 sollen etwa 402703 Selbstladegewehre gefertigt worden sein, davon ungefähr 50000 Stück mit Zielfernrohr.
Technisches: Das G43 (K43) ist auf Grundlage des älteren Modells dem G41 (W) entstanden und ist sozusagen eine verbesserte Version dieses Modells. Es ist ein Gasdrucklader mit Geradzugverschluß, Stützklappenverriegelung und Hahnschloß. Der Verschluß verriegelt im geladenen Zustand mit einer Patrone im Lauf, das G43 (K43) zählt somit zu den aufschießenden Waffen. Nachdem der Schütze durch das betätigen des Abzuges den Schuss ausgelöst hat, entweicht ein Teil der Pulvergase durch die oben liegende Laufbohrung in den Gaskolben. Die Gase wirken nun auf den Zylinder der über das Gestänge auf den Verschlußdeckel wirkt. Der Verschluß entriegelt und nachdem sich das Schloß von der Stoßstange getrennt hat gleitet es alleine weiter zurück, wirkt dabei auf die Schließfeder, die Patronenhülse wird aus dem Lauf gezogen und ausgeworfen. Nachdem der Verschluß komplett zurückgelaufen ist wird er durch die Schließfeder wieder nach vorne gedrückt, nimmt eine neue Patrone aus dem Magazin mit und führt diese in das Patronenlager. Der Verschluß ist nun wieder verriegelt und die Waffe feuerbereit. Die Hauptbauteile der Waffe sind Visiereinrichtung, Gasantrieb, Lauf, Schloß, Schaft, Handschutz, Beschlag, Hülse mit Abzugsvorrichtung, Sicherung und Magazinhalter. Das Visiersystem des G43 (K43) besteht aus einer U-förmigen Kimme und einem Balkenkorn mit Schutz. Das Visier ist von 100 m bis 1200 m einstellbar, die Einsatzschussweite lag bei ungefähr 600 m. Für die Scharfschützenversion wurden anfangs die Zielfernrohre des Typs ZF 40 oder 41 eingesetzt. Diese ZF's hatten eine 1,5 fache Vergrößerung und ließen Qualitativ meist zu wünschen übrig. Später setzte man dann das ZF 43 und dann auch das ZF 43/1 ein, diese wurden auch ZF4 genannt. Diese Zielfernrohre hatten eine 4 fache Vergrößerung und waren von 100 m bis 800 m einstellbar. Verschoßen wurde die 7,92 mm Mauser-Patrone mit schwerem Spitzgeschoß, für die Scharfschützenversion gab es spezielle Munition, diese war allerdings nur sehr selten verfügbar. Die Munition wird über ein Trapezmagazin, das von unten in den Magazinschacht eingesteckt wird, zugeführt. Das Magazin fasst 10 Patronen, die entweder bei geöffnetem Schloß von oben durch zwei Ladestreifen, oder einzeln bei abgenommenem Magazin geladen werden können. Die leeren Hülsen werden durch den Auswerfer beim zurücklaufen des Schloßes nach rechts aus der Waffe entfernt. Das G43 (K43) wurde in verschiedenen Versionen produziert. Es gab Waffen mit 550 mm, 600 mm, 650 mm und 700 mm langem Lauf. Die vor Mitte 1944 hergestellten Waffen hatten an der Mündung ein Gewinde, auf dieses konnten entweder Schalldämpfer oder Platzpatronengeräte aufgeschraubt werden. Wurde keines dieser Geräte verwendet, schraubte man eine Mutter auf das Gewinde, damit dieses nicht beschädigt wurde. Auf eine Bajonetthalterung wurde beim G43 (K43) verzichtet. Es konnte aber am Kornhalter des Laufes ein Schießbecher zum Abfeuern von Gewehrgranaten angebracht werden.
Schlußwort: Die Entwicklung von Selbstladegewehren ging in Deutschland nur sehr schleppend voran. Dieses ist nicht zuletzt dem Militär und den Experten zuzuschreiben, die sich einfach über die Vorteile einer solchen Waffe in der modernen Kriegsführung nicht im klaren waren. Hätte man zu Beginn des Krieges eine Waffe wie das G43 (K43) gehabt, dann hätte man sich wesentlich besser und erfolgreicher der modernen und schnellen Kriegsführung anpassen können. Dieser Selbstlader war eine unter fast allen Einsatzbedingungen äußerst zuverlässige Waffe, in Funktion- sowie Treffsicherheit. Die Waffe schoß schnell, sehr präzise und war hervorragend für Scharfschützen geeignet.
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