Maschinenpistole Modell 38, 38/40, 40
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Allgemeines: Um Verwirrungen im Verlauf des Artikels zu vermeiden, soll zunächst kurz etwas über die Modellbezeichnungen gesagt werden. Die genaue Bezeichnung lautete z.B., Maschinenpistole Modell 38. Im Verlauft des Artikel wird nur noch MP-38, MP-38/40 usw. verwendet werden. Das Modell MP-38 war das erste Modell das an die Truppe ausgeliefert wurde. Wegen Mängeln an diesem Modell, wurden dann Verbesserungen vorgenommen, die zum Modell MP-38/40 führten. Im Verlauf des Krieges wurde die Produktion dann teilweise vereinfacht, um die Herstellungs- und Materialkosten zu senken, hieraus resultierend entstand das Modell MP-40 (die wohl bekannteste Bezeichnung für die Gesamtkonstruktion dieser Waffe). Eine Spezialversion, die aus den Erfahrungen der Kämpfe im Osten resultierte, erhielt die Bezeichnung Modell MP-40/1. Genaueres zu den einzelnen Versionen erfahren Sie aber nun im Artikel selbst.
Bereits im ersten Weltkrieg hatte man auf deutscher Seite Maschinenpistolen vom Typ Bergmann-MPi Modell 18/1 eingesetzt. Weil man aber falsche taktische Maßstäbe beim Einsatz dieser Waffen angewandt hatte, war das Ergebnis eher ernüchternd. Es wurde versucht durch die Maschinenpistole, die Lücke, die durch das fehlen von leichten Maschinengewehren entstand, zu schließen. Die Maschinenpistole, die ihre Hauptaufgabe eher im Häuser-, Straßen- und Waldkampf, sowie im offenen Gelände auf kurze Entfernungen findet, ist in der Rolle eines leichten Maschinengewehres natürlich völlig deplaziert. Auf diesen Erfahrungen bauten dann auch oft die Meinungen vieler Experten auf, die die Maschinenpistole eher als unbrauchbar für das Militär ansahen. Und auch die Heeresführung stand der Maschinenpistole teilweise sogar völlig ablehnend gegenüber, und sah ihren Einsatz eher als Waffe für die Polizei. Selbst als Maschinenpistolen aus deutscher Entwicklung erfolgreich in Konflikten wie dem Chaco-Krieg (Bolivien - Paraguay) eingesetzt worden waren, ließen sich die Gegner der Maschinenpistole wenig davon beeindrucken. Die dort eingesetzten Maschinenpistolen wurden bei Firmen wie C.G. Haenel in Suhl, Rheinische Metallwaren- und Maschinenfabrik (heute Rheinmetall), Waffenfabrik Theodor Bergmann in Suhl und der Erfurter Waffenfabrik B. Geipel GmbH, trotz Verbotes durch den Versailler Vertrag entwickelt, produziert und dann auch in deren Auftrag exportiert. Trotz der weiterhin großen Ablehnung der Militärs, die Maschinenpistole in die strukturmäßige Bewaffnung der Truppe zu übernehmen, hatte man auf dieser Seite die Entwicklung solcher Waffen doch mit großem Interesse beobachtet und teilweise sogar Hilfestellung, durch Beratung und finanzielle Mittel, gegeben. Jede neue Entwicklung wurde somit auch von den Militärs getestet und bei einer positiven Beurteilung, fanden diese Waffen sogar den Weg in die Arsenale der Reichswehr. Nach einem Dokument vom Herbst 1932, sollen sich zu diesem Zeitpunkt etwa 3800 Maschinenpistolen in den Beständen der Reichswehr befunden haben. Im Jahre 1936 änderte man die Meinung über die Maschinenpistole dann fast schlagartig. Deutschland, das auf Seiten von General Franco in den spanischen Bürgerkrieg eingegriffen hatte, erhielt aus eben diesem Konflikt auch Erfahrungsberichte von Truppenteilen, die mit Maschinenpistolen ausgerüstet waren und diese mit großem Erfolg einsetzten. Neben den seit einiger Zeit auch teilweise aufkommenden Forderungen einflussreicher Generale, nach der Ausrüstung bestimmter Truppenteile mit Maschinenpistolen -hauptsächlich die Panzertruppe forderte Maschinenpistolen für ihre Besatzungen-, taten diese praktischen Erfahrungsberichte ihr Übriges. Das Heereswaffenamt beschloss nun, die Entwicklung einer Standard-MPi mit aller Kraft voran zu treiben. Vorhandene Modelle wurden allerdings als zu kompliziert und unhandlich abgelehnt. Im Jahr 1938 vergab das Heereswaffenamt einen Auftrag an den Chef der Firma Erfurter Waffenfabrik, eine Standard-MPi zu entwickeln. Als Grundlage diente die Erma-MPi EMP der Erfurter Waffenfabrik. Die neue Entwicklung wurde dann einige Monate später geprüft, angenommen und als Odonanzwaffe unter der Bezeichnung Maschinenpistole Modell 38 (MP-38) eingeführt. Entwickler dieser Waffe war übrigens Heinrich Vollmer und nicht Hugo Schmeisser, wie oftmals in der Fachliteratur berichtet wird. Mit der Entwicklung dieser Waffe ging man völlig neue Wege und schuf eine Konstruktion, an der sich später viele andere Konstrukteure aus der ganzen Welt orientierten. Es wurde völlig auf das bisher übliche Holz verzichtet, Metall und Kunststoff waren jetzt die einzigen Materialien aus denen die Waffe bestand. Der typische Holzschaft und der perforierte Laufmantel der Erma-MPi waren verschwunden. Das Gehäuse der neuen MPi bestand aus Eisenblech, der Deckel aus behandeltem Aluminium und die Griffschalen aus Kunststoff. Das neue Modell wurde im Jahr 1938 zunächst an die Panzertruppe ausgeliefert. Es konnte aber Anfangs nicht in ausreichender Stückzahl produziert werden, so daß weniger Maschinenpistolen bereit standen als benötigt wurden. Im Sommer 1939 wurden monatlich nur etwa 500 Stück hergestellt und bis ungefähr Dezember steigerte sich die Produktionszahl auf etwa 1700 Stück im Monat. Als der zweite Weltkrieg mit dem Angriff auf Polen begann, sollen etwa 8000 MP-38 in der Truppe verfügbar gewesen sein. Es lagen Pläne bereit, nach denen in jeder Infanteriekompanie Gruppen-, Zug-, und Kompanieführer mit der Maschinenpistole ausgerüstet werden sollten, das würden etwa 14-16 Waffen pro Kompanie sein. Ein vernünftiges taktisches Konzept, lag diesen Plänen aber wieder einmal nicht zu Grunde. Ab 1940 sollten dann alle Schützen, Reiter, Kraftfahrer und Panzerbesatzungen mit einer MPi ausgerüstet werden. Es konnten allerdings niemals genügend Waffen hergestellt werden und so waren selbst die Fallschirmjäger, die durch ihre spezielle Art des Einsatzes bedingt, unbedingt eine handliche und kompakte Waffe wie eine Maschinenpistole benötigt hätten, bis zum Kriegsende noch hauptsächlich mit dem Karabiner 98k ausgerüstet. Die Serienproduktion der Waffe wurde neben der Entwicklerfirma Erfurter Maschinenfabrik, unter anderem von der Steyr-Daimler-Puch AG in Österreich, sowie von der Firma C.G. Haenel in Suhl durchgeführt. Es konnten etwa eine Million Standard-MPi's, bis zum Ende des Krieges an die Wehrmacht ausgeliefert werden.
Technisches: Die MP-38 gehört zu den zuschießenden Waffen und ist ein Rückstoßlader. Sie hat einen feststehenden Lauf, einen unstarr verriegelnden Masseverschluß in zylindrischer Form und der Schlagbolzen ragt aus der Stirnfläche des Verschlusses heraus. Der freistehende Lauf ist massegekühlt und hat keinen umgebenden Mantel, wie das bei der Erma-MPi EMP der Fall war. Die Schließfeder befindet sich in einem Stahlrohr, das sich während des Schießens teleskopartig zusammenschiebt, die Feder fungiert ebenfalls als Schlagfeder. Die Hauptteile der Waffe sind: Verschluß, Visiereinrichtung, Auswerfer, Magazinhalter, Schaft mit Kasten, Lauf mit Hülse und das Griffstück mit Schulterstütze. Der Mechanismus der MP-38 arbeitet wie folgt: Nachdem der Abzug betätigt wurde, drückt die Schließfeder den Verschluß nach vorne. Der Zuführer nimmt eine Patrone aus dem Magazin mit und die Kralle des Ausziehers greift in die Vertiefung an der Hülse, der Verschluss läuft weiter nach vorn, die Patrone wird in den Lauf geschoben und kurz bevor die Bewegung beendet ist, trifft der Schlagbolzen auf das Zündplättchen und zündet die Patrone. Durch den Druck der Pulvergase wird einerseits das Projektil nach vorne durch den Lauf getrieben, andererseits wirken sie auf den Hülsenboden, was wiederum bewirkt das der Verschluss nach hinten gedrückt wird. Beim zurücklaufen des Verschlusses, wird die Hülse durch den Auszieher aus dem Lauf gezogen wodurch der Druck im Lauf rapide abfällt. Die Bewegung des Verschlusses besitzt aber noch soviel Eigenenergie das er weiter zurückläuft, die Feder wieder spannt und der Auswerfer die Hülse aus der Waffe entfernen kann. Der Verschluss ist nun komplett zurückgelaufen und die Waffe für den nächsten Schuss bereit. Hält der Schütze den Abzug gedrückt, beginnt der gesamte Ablauf von vorne, lässt er den Abzug los, wird der Verschluss in gespannter Stellung gehalten. Die Waffe ist nur für Dauerfeuer ausgelegt, ein geübter Schütze ist aber absolut in der Lage einzelne Schüsse abzufeuern. Es werden Patronen im Kaliber 9mm Parabellum verschossen, die durch ein Stangenmagazin mit 32 Schuss zugeführt werden. Das die Waffe eigentlich für Panzerbesatzungen entwickelt worden war, konnte man vorne am Lauf erkennen. Dort war eine Art Haken angebracht, der auf die Luken von Panzerkampfwagen aufgelegt werden konnte, um so eine Stabilisierung der Waffe beim Feuern und bei Bewegung des Fahrzeuges zu erreichen. Besondere Merkmale der Waffe waren ausserdem der kurze Schaft und die klappbare Schulterstütze, die mittels eines Druckknopfes auf der linken Seite des Gehäuses, arretiert wurde. Am vorderen Ende des Laufes befand sich ein Gewinde, auf das entweder eine Schutzmutter, ein Platzpatronengerät, Schalldämpfer, oder z.B. das Ansatzstück für einen gekrümmten Lauf aufgeschraubt werden konnten. Das Standvisier ist auf 100m und das Klappvisier auf 200m einstellbar. Die maximale Einsatzschutzweite beträgt 200m, die absolute maximale Schussweite beträgt etwa 1700m. Trotz der im Grunde hervorragenden Konstruktion, hatte die Waffe doch einige Mängel die nicht unbedingt als leicht abgetan werden könne. So machte z.B. die Sicherung der MP-38 große Probleme und es kam vermehrt zu Unfällen. Gesichert wurde die Waffe indem der Ladehebel nach oben eingedreht und in eine dafür vorgesehene Ausfräsung des Gehäuses gehakt wurde. Da der Verschluß bei geladener Waffe immer in gespannter Position gehalten wurde, konnte es durch Stöße oder Schläge dazu kommen, das sich der Ladehebel aus der Sicherung löste und dann ein Schuss ausgelöst wurde. Hierdurch häuften sich Unfälle unter den Soldaten, so das man sich schleunigst um die Beseitigung dieses Mangels kümmern musste. Es wurde dann zusätzlich zu der bereits bestehenden Sicherung der Waffe eine Arretierung am Griffstück des Ladehebels angebracht. Um die Waffe zu entsichern musste nun das Griffstück des Ladehebels etwas herausgezogen werden, dadurch löste sich die Arretierung des selben und er konnte in Schussposition gebracht werden. Dies war eine einfache wie auch effektive Methode und viele alte Waffen wurden nachträglich umgerüstet. Waffen die mit dieser Änderung gefertigt, oder darauf umgerüstet wurden, erhielten nun die Bezeichnung MP-38/40. Die MP-38 und MP-38/40 wurden zunächst kosten- und zeitaufwendig, durch fräsen der einzelnen Gehäuseteile gefertigt. Ab dem Jahr 1940 wurde die Waffe dann fast vollständig, ausgenommen Verschluss und Lauf, in Blechprägetechnik hergestellt. Hierdurch konnten die Produktionskosten der Waffe, sowie auch die Produktionszeit, gesenkt werden. Waffen dieser Bauart wurden MP-40 genannt. Die Umstellung der Produktion auf Blechprägetechnik hatte neben genannten Vorteilen aber auch wesentliche Nachteile. Die Funktionssicherheit der Waffe war oftmals nicht mehr richtig gegeben, waren die Vorgängermodelle noch weitgehend zuverlässig, so reagierte die Truppe teilweise mit Empörung auf die Unzuverlässigkeit des neuen Modells. Ein weiteres Modell mit der Bezeichnung MP-40/1, wurde nach den Erfahrungen der Truppe an der Ostfront entwickelt. Dort benutzten die sowjetischen Truppen Maschinenpistolen vom Typ Schpagin-MPi, welche ein Trommelmagazin mit einer Kapazität von 71 Schuss hatte. Die sowjetischen Infanteristen hatten somit teilweise eine erheblich größere Feuerkraft, gegenüber den deutschen Infanteristen. Wenn ein deutscher Infanterist sein Magazin leergeschossen hatte und wechseln musste, verfügte sein Gegner noch über einen beträchtlichen Vorrat an Patronen in seinem Magazin. Um diesen Nachteil auszugleichen wurde die Magazinzuführung der deutschen Maschinenpistole so abgeändert, das sie zwei Standard-Magazine aufnehmen konnte. Sobald ein Magazin leergeschossen war, wurde der gesamte Magazinblock einfach nach links geschoben und das volle Magazin so in Zuführposition gebracht, der Schütze konnte weiterfeuern. Diese Spezialversion führte allerdings zu keinem wirklichen Erfolg.
Schlußwort: Die Maschinenpistolen des Typs MP-38, MP-38/40 und MP-40 waren, wenn man bedenkt das sie damals eine neuartige Entwicklung im Bereich der Maschinenpistolen waren, eine hervorragende Konstruktion. Konstrukteure aus aller Welt nahmen sich diese Waffe als Bespiel um darauf aufbauend neue Maschinenpistolen zu entwickeln, die diesem Grunddesign entsprachen und das heute auch noch tun. Wenn man die Fakten sachlich betrachtet, war es aber eine Waffe die zu jeder Zeit unter teilweise erheblichen Mängeln litt und zudem konnte sie auch nicht in ausreichender Stückzahl hergestellt werden. Wenn die Waffe taktisch richtig eingesetzt wurde und wenn man über die Mängel hinwegsieht, war es aber eine durchaus brauchbare und gute Waffe.
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![]() Modell MP40 |
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